Ernährung von Welpen und Junghunden

Ernährung von Welpen und Junghunden
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Ernährung von Saug- und Absetzwelpen

Hundenachwuchs bis zu einem Alter von 6 – 8 Wochen nennt man Saug- bzw. Absetzwelpen.

Bei der Geburt ist darauf zu achten, dass die neugeborenen Welpen innerhalb der ersten 4 Stunden Kolostralmilch (= Antikörperreiche Erstmilch der Hündin, essenziell für den Immunschutz des Welpen) aufnehmen. Bereits nach 4 Stunden verliert der Welpe zunehmend die Fähigkeit, diesen für ihn lebenswichtigen Antikörper zu resorbieren.

Als Besonderheiten im Saugverhalten der Welpen sei der „Milchtritt“ erwähnt. Dabei „massieren“ die Welpen mit den Pfoten das Gesäuge der Mutter. Nach dem Säugen beleckt die Mutter die Analgegend der Welpen, um Kot- und Harnabsatz zu stimulieren. Dieser wird von der Hündin mit der Zunge entfernt.

Trinkhäufigkeit

  • 1. Lebenswoche – 12 mal
  • 2. – 4. Lebenswoche – 8 mal
  • ab dem 2. Monat – 5 – 6 mal

Milchmenge

Saugwelpen nehmen pro 100 g KM am Tag anfangs 15 ml, später dann 10 ml Milch auf.
Hast du einen 400 g schweren Welpen, wird dieser also zu Beginn etwa 60 ml an Tag trinken.
Aufgeteilt auf 12 Mahlzeiten sind das 5 ml pro Mahlzeit.


Gewichtsentwicklung

Regelmäßige Gewichtskontrolle ist sehr wichtig und in dieser frühen Phase der Entwicklung ein guter Indikator, um mögliche Probleme zu erkennen. Egal ob bei natürlicher oder mutterloser Aufzucht. Die tägliche Gewichtszunahme von Welpen [in g] sollten das 2–3-Fache des Durchschnittsgewichts der Eltern [in kg] betragen.

Ein Beispiel: 

  • Dobermannwelpe 410g
  • Durchschnittsgewicht der Eltern: 33 kg
  • Tägliche Zunahme 66 – 99 g
  • Gewicht nach einer Woche 870 – 1100 g

Nimmt ein Saugwelpe über 2 Tage nicht zu, sollte die Ursache gesucht werden. Wird er verdrängt, sollte man zufüttern. Es können aber auch andere Probleme vorliegen, die genauerer Untersuchung und intensiverer Betreuung bedürfen.

Beifütterung

Mit dem Ende der 3. Woche kann man mit der Beifütterung beginnen. Zunächst sollte man den Welpen das Beifutter körperwarm in flachen Schalen anbieten.Da sich die Welpen wahrscheinlich nicht von Anfang an auf das Futter stürzen werden, kann man mit Bedacht die Schnauze leicht in das Beifutter stupsen. Sobald es ein Welpe begriffen hat, folgt der Rest durch Nachahmen.

Absetzen

Das normale Absetzalter von Welpen ist etwa 6 – 8 Wochen. Zu diesem Zeitpunkt sollten die tägliche Aufnahme von Beifutter bei mindestens 20 g TS/kg KM liegen. Am Tag des Absetzens lässt man den Welpen noch ein letztes Mal saugen. An diesem und den nächsten 3 bis 4 Tagen bekommt er die gleiche Beifuttermenge wie bisher. Wird diese gut vertragen, wird die Ration in der Folge auf den Bedarf des Welpen angepasst. Handelt es sich um große Würfe, die eine starke Belastung für die Hündin darstellen, kann das Beifüttern, wie auch das Absetzen etwas vorverlegt werden.

Absetzen und Ortswechsel sollten aufgrund der Belastung für den Welpen nicht kombiniert werden. Bei einem Ortswechsel sollte der Welpe zunächst restriktiv mit dem gewohnten Futter gefüttert und die Fütterung anschließend langsam umgestellt werden.

Gewichtskontrolle

Der beste Weg, die Gewichtszunahme deines Welpen, oder Junghundes zu überprüfen, ist durch regelmäßige Gewichtskontrolle. Der Body Condition Score kann bei Junghunden nur mäßig eingesetzt werden, da diese zu viel Energie nicht in Fettdepots speichern, sondern schlichtweg schneller wachsen. Die Fütterung von Welpen und Junghunden sollte daher eher restriktiv erfolgen und mit der Wage kontrolliert werden.

Eine große Gefahr von Fütterungsfehlern bei Welpen und Junghunden besteht in einer Überfütterung! Eine Überfütterung sollte vor allem bei großwüchsigen Rassen vermieden werden, da eine zu schnelle Entwicklung und Gewichtszunahme oft zu Skelettentwicklungsstörungen und damit später zu orthopädischen Problemen führt.

Empfehlung

Bei allen Richtwerten und Zahlen bleibt das Wichtigste die Kontrolle der Gewichtszunahme und eine individuelle Rationszuteilung. Bei Welpen, die bereits mehr Gewicht zugelegt haben, als sie sollten, sollte die Energiezufuhr verringert werden. Es geht hierbei um ein langsameres Wachstum, keinen Gewichtsverlust! Welpen, die im Wachstum etwas zurückgeblieben sind, sollten nicht auf den Sollwert „gemästet“ werden. Langsameres Wachstum ist okay, solange die Nährstoffversorgung ausgewogen ist.


Hinweise zur Mutterlosen Aufzucht

Welcher Milchersatz?

Milchaustauscher zur Welpenaufzucht gibt es viele. Es lohnt sich, hier einen Blick auf die Inhaltstoffe zu werfen und sie mit den Bestandteilen natürlicher Hundemilch zu vergleichen.

Inhaltsstoffe Hundemilch pro 100 g:

  • Eiweiß – 8,4 g
  • Fett – 10,3 g
  • Laktose – 3,3 g
  • Energie – 650 kJ
  • Calcium – 240 mg
  • Phosphor – 180 mg

Im Zweifelsfall entsprechen die Produkte von Qualitätsherstellern eher diesen Anforderungen. Die für die korrekte Zubereitung nötigen Informationen sind dem Beipackzettel zu entnehmen. Die Milch sollte im Idealfall für jede Mahlzeit frisch hergestellt und körperwarm verfüttert werden.

Zur Verabreichung eignen sich Fläschchen aus der Babyernährung bzw. ähnliche Produkte für Tiere.

Der Milchtritt dient natürlicherweise der Stimulation des Gesäuges der Hündin. In mutterloser Aufzucht kann man dem Welpen dieses physiologische Verhalten an einem Handtuch oder Ähnlichem ermöglichen.

Empfehlungen für den Energiebedarf in der mutterlosen Aufzucht

Energiebedarf [kJ uE/100g KM/Tag]:

  • Tag 1 bis 3: 60
  • Tag 4 bis 6: 85
  • ab Tag 6: 85 – 100

Erhält ein Milchaustauscher 500 kJ/100 ml, benötigt ein 800 g schwerer Welpe ab Tag 6 etwa 160 ml Milchaustauscher pro Tag.

Als Anhaltpunkt für den Energiebedarf deines Welpen soll dieser Rechner dienen.

Wie häufig sollte man füttern?

Innerhalb der ersten 3 Wochen sollten man 5 – 6 mal täglich, später 3 – 4 mal täglich (mit einer 8-h Nachtpause) füttern.

Ab der 3. Woche kann bereits neben der Fütterung per Flasche versuchen, den Welpen Milchaustauscher in flachen Schalen, wie oben in der Beifütterung beschrieben, anbieten. Ab der 4. Woche sollte dann eine gewohnte Aufzucht ohne Flasche möglich sein

Worauf man noch achten sollte

Natürlicherweise würde die Hündin nach dem Säugen die Analgegend des Welpen belecken und damit den Kot- und Harnabsatz stimulieren. Dies ist wichtig, um Verstopfungen, Blähungen und Schlimmeres zu vermeiden. In mutterloser Aufzucht kann man das mit einem warmen, feuchten Tuch simulieren.

Das Welpennest sollte keine leicht zu verschluckende Einstreu beinhalten, frei von Zugluft und ausreichend warm sein.

Für mutterlose Aufzucht sollte sich die Umgebungstemperatur in folgendem Bereich befinden:

  • Woche 1: 30 – 32 °C
  • Woche 2: 28 – 30 °C
  • Woche 3: 26 – 28 °C
  • Woche 4: 24 – 26 °C

Erreicht wird das zum Beispiel mit einer Rotlichtlampe. Diese sollte in etwa 60 cm Abstand installiert sein. Die Temperatur sollte man natürlich mit einem Thermometer zu überprüfen. Bereut man mehrere Welpen, gibt einem das bei der Temperaturregulation einen größeren Spielraum als bei Einzelwelpen.

Ist der Welpe satt, passt die Temperatur und er fühlt sich wohl, wird er in der Regel ruhig sein. Überkommt ihn Hunger, Kälte, Hitze, oder andere Problemchen, wird er auf sich aufmerksam machen.

Absetzen und Aufzucht der Junghunde erfolgt wie an anderer Stelle beschrieben.


Ernährung von Junghunden

Hundenachwuchs bis zu einem Alter von 3 – 9 Monaten nennt man Junghunde.

Bei Hunden im Wachstum sollten Fütterung und Haltung (Bewegung, Sozialisierung, …) so gestaltet werden, dass dem Hund die bestmögliche Entwicklung ermöglicht wird und damit der Grundstein für Gesundheit und Leistungsfähigkeit bis ins hohe Alter gelegt wird.

Das Wachstum und die Entwicklung von Junghunden werden von vielen Faktoren beeinflusst. Neben rassespezifischen Eigenheiten, wie der endgültigen Größe, beeinflussen auch Haltung (Einzelhaltung im Haus, oder Gruppenhaltung in einem Zwinger) und natürlich die Fütterung maßgeblich die Entwicklung.

Der wohl verlässlichste Indikator für die Entwicklung des Junghundes ist die rassetypische Wachstumskurve. Um diesem „Ideal“ möglichst nahezukommen bedarf es der passenden Versorgung, welche allerdings ebenso individuell ist, wie die entsprechende Wachstumskurve.

Als Referenz für die Gewichtsentwicklung von Hunden im Wachstum sollen die hier dargestellten Wachstumskurven dienen.

Um die richtige Futtermenge für die jeweilige Lebensphase zu ermitteln, kann dir dieser Rechner in Kombination mit dem „Futterenergierechner“ eine gute Hilfe sein.

Proteinbedarf von Junghunden

Wachstumsmonatg vRP/MJ uEg RP/MJ uE
11518
21416
31315
41214
5 – 61113
7 – 121012

Welches Futter?

Generell sollte man auf hochwertige Proteinquellen (Fleisch, Ei, Milch) und eine auf die Wachstumsphase zugeschnittene Ernährung achten. Wachstum geht mit einem erhöhten Bedarf an Energie, Protein, Mengen- und Spurenelementen einher. Trockenfutter ist oftmals für größere Rassen die praktischere Lösung, Feuchtfutter für kleinere Rassen, prinzipiell ist beides möglich.

Die wohl praktikabelste Art der Fütterung stellt das passende Alleinfuttermittel für Junghunde dar. Die Herausforderung besteht hier in der Zuteilung der korrekten Futtermenge.

Es spricht nichts dagegen, den Bedarf mit selbst hergestellten Rationen zu decken, nur sind diese dem sich stetig ändernde Bedarf des wachsenden Hundes anzupassen und stellen in ihrer Zusammensetzung eine nicht unbedeutende Herausforderung dar, bei der dich dein Tierarzt sicher gern unterstützt.

Wie oft sollte man füttern?

Nach dem Absetzen sollte man 3–4 Mahlzeiten pro Tag verfüttern, bei 6 Monate alten Hunden erfolgt die Fütterung 2-mal täglich, nach Abschluss des Wachstums 1–2-mal täglich.

Das Einhalten fester Fütterungszeiten beugt dem Betteln vor.

Und nun genug der Theorie und maximale Erfolge mit der Aufzucht gesunder, glücklicher Hunde!


Quellen:
Zentek, Jürgen (2016); Ernährung des Hundes; 8. aktualisierte Auflage; Enke Verlag; Stuttgart
FEDIAF – https://fediaf.org/self-regulation/nutrition

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Kategorisiert in Hund