Futtermittelbestandteile und Energie

Um besser zu verstehen, wie Tierernährung funktioniert, sollten wir zuerst ein paar Begriffe klären und Abkürzungen aufzuschlüsseln. In diesem Artikel klären wir die wichtigsten Grundbegriffe zu Futtermittelinhaltsstoffen (wie z.B. Rohprotein), wie viel Energie in den einzelnen Bestandteilen enthalten ist und wie viel davon dein Tier nutzen kann.

Bruttoenergie (= Gross Energy, GE)

Bruttoenergie ist der reine physikalische Brennwert. Die Energie, die potentiell bei kompletter Oxidation im Futter steckt.
Chemisch würde das in etwa so aussehen:
Substrat (Protein/Fett/Kohlenhydrat) + O2 -> Wärme + H2O + CO2.
Da allerdings nicht jeder Futterbestandteil vom Organismus komplett zerlegt wird und unverdauliche Reste über Kot, Urin und in geringen Mengen als Gas ausgeschieden werden, stellt die Bruttoenergie kein geeignetes Maß für die Bewertung der Futterenergie dar.

NährstoffBruttoenergie [kJ/g]
Fett39,3 (36,6 – 39,8)
Protein23,8 (23,9 – 24,2)
Stärke17,3 (17,5)
Glucose15,6 (15,7)
Rohfaser17,8 (17,2 – 22,2)
Leicht abweichende Werte je nach Quelle: 1. Wert [1] (2. Wert) [2]

Verdauliche Energie (= Digestible Energy, DE)

Die Verdauliche Energie berücksichtigt die über den Kot abgegebene Energie. Sie findet Einsatz bei kleinen Nagetieren und Kaninchen.

Berechnen kann man sie wie folgt: Bruttoenergie im Futter – Bruttoenergie im Kot.

Nährstoff (auf Ebene der Verdaulichen Energie, DE)DE [kJ/g]
vRp (verdauliches Rohprotein)22,0
vRfe (verdauliches Rohfett)39,7
vRfa (verdauliche Rohfaser)17,3
vNfE (verdauliche Stickstoffreie Extraktstoffe)17,4
[2]

Umsetzbare Energie (= uE oder = Metabolizable Energy, ME)

Noch einen Schritt weiter geht die Umsetzbare Energie, da diese den Energieverlust von Kot und Harn mitberücksichtigt. Der Energieverlust über Gas spielt beim Hund kaum eine Rolle und kann vernachlässigt werden. Die Umsetzbare Energie (uE) ist die Energie, mit der dein Tier „arbeiten“ kann. Also Energie für arttypisches Verhalten und Bewegung. Die Umsetzbare Energie findet in der Tierernährung Einsatz bei Hund, Katze, Pferd, Mastrind, Schaf, Ziege, Schwein, Geflügel und Fische.

Weitere Begriffe

Trockensubstanz [TS] – umfasst alle Teile des Futters, die nicht Rohwasser sind, also was nach 4 h Erhitzen bei 103 °C noch an Feststoff, der „Trockenmasse“ vorhanden ist

Feuchte/Rohwasser – umfasst alle bei 103 °C flüchtigen Stoffe im Futter (Großteils Wasser, aber auch flüchtige Fettsäuren, ätherische Öle, Alkohole

Rohprotein [Rp] – Proteine und andere N-haltige Stoff

Rohfett [Rfe] – Fette und fettähnliche Stoff

Rohfaser [Rfa] – Zellulose, Hemizellulose, Lignin, sowie andere Zellwandbestandteil

Rohasche [Ra] – enthält Mineralstoffe (Mengen- und Spurenelemente) und andere anorganische Bestandteile (z.B. Silikate, also Sand)

N(Stickstoff)-freie Extraktstoffe [NfE] – NfE = TS – [Ra + Rp + Rfe + Rfa]; Nfe enthalten Stärke, Glykogen („tierische Stärke“), lösliche Zucker (Glucose, Fructose, Saccharose, Lactose, Maltose, Oligosaccharide) und lösliche Teile von Pektinen, Hemizellulose, in sehr geringen Mengen Lignin und Zellulose.


Quellen:
(1) Zentek, Jürgen (2016); Ernährung des Hundes; 8. aktualisierte Auflage; Enke Verlag; Stuttgart

(2) Kamphues J et al. (2014): Supplemente zur Tierernährung; 12. Auflage; M.&H. Schaper; Hannover

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